Essen als Biografie
Das Essen — La Comida — La Dieta Mediterránea
Frühstücksgewohnheiten, eine irische Freundin, ein uruguayisches Restaurant und das langsame Erlernen der mediterranen Tischkultur.

Das Frühstück verrät viel über uns
Nur wenige Bereiche des Lebens sind so persönlich wie unsere kulinarischen Entscheidungen. Das Frühstück etwa ist ein aufschlussreiches Fenster zur Individualität. Unsere morgendliche Routine – ob wir verschlafen, bestens gelaunt oder irgendwo dazwischen aufwachen – sagt mehr über uns aus, als wir denken.
In Spanien werden kulturelle Unterschiede kaum irgendwo so unmittelbar sichtbar wie bei den Frühstücksgewohnheiten von Menschen aus Großbritannien, Irland oder Deutschland. Der Unterschied wird offensichtlich und vielleicht auch irritierend, wenn jemand ein typisches spanisches Café betritt und das Frühstück erwartet, das er von zu Hause kennt.
Im mallorquinischen Alltag abseits der touristischen Routen besteht das Frühstück vielleicht aus einem Milchkaffee und einem Schinken-Käse-Sandwich oder einer Ensaimada. Natürlich gibt es Variationen und internationale Gemeinschaften mit anderen Gewohnheiten. Wer hier arbeitet oder studiert, braucht dennoch etwas Geduld, um sich dem lokalen Rhythmus anzupassen.
Ich erinnere mich an eine Freundin, die kurz zuvor aus Irland gekommen war. Es fiel ihr schwer, sich auf die lokalen Gewohnheiten einzulassen, und sie aß schließlich fast ausschließlich in Restaurants für Touristen. Wirklich entspannt sah ich sie nur einmal: an dem Abend, an dem ich sie in ein uruguayisches Restaurant in der Carrer de Blanquerna in Palma einlud. Vertrautes Essen gab ihr die Sicherheit, den Abend zu genießen.
Einen Ort durch seine Tischkultur kennenlernen
Die mediterrane Ernährung ist nicht bloß eine Speisekarte. Sie ist ein kulturelles Erbe, in dessen Mittelpunkt Obst, Gemüse und Fisch stehen, ergänzt durch Getreide- und Milchprodukte sowie Wein in Maßen für diejenigen, die ihn trinken. Viele Studien bringen sie mit einem längeren und gesünderen Leben in Verbindung. Ich vermute, dass die Kombination aus Ernährung und mediterraner Lebensweise ebenso wichtig ist wie jeder der beiden Aspekte für sich.
Wer Fish and Chips liebt, kann mediterranes Essen anfangs als ungewohnt oder sogar eintönig empfinden. Anpassung geschieht nicht automatisch. Jeder Ort hat sein sonntägliches Familienritual: In Argentinien ist es entweder der klassische Asado oder Ravioli von einer italienischen Großmutter; auf Mallorca sehr oft eine Paella, der ein gemütlicher Wermut vorausgeht, sodass das Mittagessen lange beginnt, bevor der Reis auf den Tisch kommt.
Meine Empfehlung ist einfach: Essen Sie eine gute Paella am Meer, an einem der wunderschönen Orte, die diese Insel bietet. Behandeln Sie sie nicht wie ein Gericht, das schnell fotografiert und erledigt werden muss. Geben Sie der Mahlzeit Zeit. Hören Sie den Gesprächen zu, achten Sie auf die Zutaten und lassen Sie zu, dass ein anderer Rhythmus Ihnen etwas beibringt.
Das Essen war einer meiner Wege nach Mallorca, weil es das Persönliche mit dem Gesellschaftlichen verband. Eine Küche oder Terrasse kann eine Immobilie verkaufen, doch am Tisch wird sie zu einem Zuhause: Dort verändern sich Gewohnheiten, entstehen Freundschaften und sammeln sich Geschichten.
Palma · Carrer Sant Miquel
